Olivenöl durch die Nase

Olivenöl durch die Nase

Hi, ich bin Señor Slim Fady.
Cool, dass du hier bei diesem Blog-Post gelandet bist.

Kurz zu mir: Ich denke ziemlich oft an Olivenöl. Nicht so oft wie ich an meine Frau denke aber oft. Shoutout an sie, dass sie mit dieser Obsession klarkommt lol. Für mich ist Olivenöl mehr als nur ein Lebensmittel. Es ist Geschmack, Erinnerung, Herkunft – und irgendwie immer mit Menschen verbunden. Mit geilen Gerichten und Momenten, die hängen bleiben. Und genau so hat es auch bei mir angefangen.

Alles begann für mich als Junge aus Göttingen, der mit seinen Eltern und Geschwistern regelmäßig Familie in Palästina und Jordanien besuchte. Eines Tages, bei einem dieser Besuche, wurden uns die Reisepässe geklaut. Um genau zu sein wurden sie mir geklaut. Was vertraut meine Mutter einem 7-Jährigen auch ihre Handtasche an.

Statt also im August zurück nach Deutschland zu fliegen und in die 3. Klasse zu kommen, saß ich plötzlich wochenlang in der Heimat fest – bis alle Papiere wieder organisiert waren. Normalerweise reisen wir vor der Oliven-Ernte zurück. Dieses Mal fiel mein Aufenthalt genau in den September – mitten in die Oliven-Ernte.

Und genau in dieser Zeit erlebte ich sie sogar zum ersten Mal. Meine Onkel und Cousins nahmen mich mit aufs Feld. Eigentlich wollten sie mir nur einmal zeigen, wie es geht. Aber es blieb nicht bei diesem einen Mal. Ich war so hart begeistert. Jeden Morgen stand ich um 5 Uhr vor der Tür, wartete auf den Pickup und fuhr mit raus – noch vor Sonnenaufgang, in der Morgendämmerung. Wir legten die Planen aus, ernteten die Oliven und lasen sie sorgfältig aus.

Ein paar Stunden später lieferten wir die Oliven zu den Frauen, die sich um das Pressen und die Maschinen kümmerten. Das Öl wurde anschließend in alte, dunkle, grüne Plastik-Saftflaschen abgefüllt – oft war das alte Etikett noch drauf. Es war früher meine Lieblingssorte: Guave. Wir verkauften und verschenkten die Flaschen im Dorf und auf dem Markt.

Bei der Abreise packten wir so viele Ölflaschen wie möglich in unsere Koffer. Die waren sowieso größtenteils leer – auf der Hinreise hatten wir sie mit Geschenken für alle gefüllt. So wurde Olivenöl plötzlich Teil von allem.

Joghurt mit Olivenöl. Brot mit Olivenöl und Zaatar. Eigentlich jede Mahlzeit. Einmal sagten meine Eltern: „Du isst so viel Olivenöl – trink es doch gleich.“ Ich wollte beweisen, wie sehr ich es liebe, und nahm ein ganzes Glas. Aber frisches Öl ist scharf, pfeffrig, leicht sauer. Für mich war es zu viel. Ich verschluckte mich – und das Öl kam mir aus der Nase. Die ganze Familie saß am Tisch. Rund 20 Leute. Alle lachten. Laut, ehrlich, von Herzen. In dem Moment war es mir kurz peinlich. Heute ist genau das eine meiner schönsten Erinnerungen. Kein Streit. Kein Stress. Nur Lachen. Wegen mir – und wegen dem Öl.

Seitdem gehört Olivenöl für mich zu jedem Gericht. Und nach jedem Besuch bringe ich mehrere Liter mit nach Deutschland – genug, um bis zur nächsten Heimreise zu überbrücken. Seitdem habe ich eine Faszination für Olivenöl entwickelt.

Gemeinsam mit Familie und Freunden habe ich daraus diese Firma aufgebaut – mit dem Ziel, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen und Olivenöl den Menschen näherzubringen. Denn Olivenöl ist nicht gleich Olivenöl. Herkunft, Sorte und Verarbeitung spielen eine entscheidende Rolle. Und genau das möchte ich zeigen – damit auch andere ihre eigenen Erinnerungen damit machen können. Auch wenn das Öl hoffentlich nicht durch ihre Nase kommt.